Über Narzissmus

Nun ja, ein Thema für heute zu finden war gar nicht so leicht. Heute morgen hatte ich schon einen Text angefangen, ich weiß aber nicht mehr worüber und – sonst würde ich ja jetzt nicht mehr tippen – ich bin damit auch nicht weit gekommen. Nun aber „Über Narzissmus“. Wie ich zu dem Thema komme? Auf ganz besonders orginelle Weise – ich lese gerade ein Buch drüber. Warum ich drüber schreibe? Es beschäftigt sich halt mein Denken damit. Die Gedanken kreisen drumherum, wie die Fliege um die Glühbirne, die im Dunkeln leuchtet. Ein schönes Bild, denn es steckt ja auch drin, dass man – ebensowenig wie die Fliege – durch ein solches Kreisen weiterkommt. Dies lehrt einen die Erfahrung. Gut, warum aber drüber schreiben? Weil einem nichts anderes übrig bleibt?
Und damit wären wir dann über Narzissmus zu einer wunderschönen Grundsatzfrage gekommen. Warum eigentlich schreiben? Warum? Um sich auszudrücken und um sich mitzuteilen. Es gibt ja bekanntlich keine Karte, auf der das Leben verzeichnet ist und sollt man je auf die Idee kommen zu versuchen, auf der Lebenskarte den Lebensweg zu suchen und mit dem Zeigefinger nachzufahren, wird man natürlich unweigerlich bemerken, wie sich die Linie, die man zu fixieren sucht, als Grün unter Grüntönen oder Braungrün unter Braun verlieren wird. Ganz so wie man im Wald bemerkt, dass sich der Pfad auf dem man unterwegs ist, verliert. Die braune kahle Erde des Pfades, die durch das Grün des übrigen Waldbodens begrenzt wird, ist immer weiter zugewuchert, und irgendwann muss sich selbst eingestehen: Ich stehe hier nicht mehr auf dem Pfad, dessen Boden sich durch einen leicht spärlicheren Bewuchs von dem ihn begrenzende Waldboden unterscheidet, sondern ich stehe einfach so – differenzlos – im Wald. Und Schreiben: Ist das nicht so, dass man auch mit dem Mut der Verzweiflung sich einen schwarzen Kuli schnappt, sich die nichtexistente Karte des Reiches 1:1 vornimmt und dann mit fest aufgedrückter Mine einen Weg dahinzieht, wo man meint einen gesehen zu haben, mit dem diffusen Bewusstsein im Hinterkopf, dass, hätte man die Sache mit Zeigefinger statt mit Stift gemacht, der Weg in null Komma nix weg wäre?
In dem Buch über Narzissmus heißt es, dass das Baby nur dann keinen Knacks bekommt, wenn es, indem es in das Gesicht der Mutter schaut, sich selbst im Spiegelbild sehen kann, und tunlichst bitte nicht die Unsicherheit der Mutter, die ihrerseits versucht, das Baby zu ihrem Spiegel zu machen. Ich bin damit sehr unzufrieden. Scheint doch so, dass das einzige Problem ist, dass das Baby noch nicht richtig mit dem Kuli umgehen kann.

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